Gedanken, Szenarien:
Schon bei der Formulierung der Überschrift dieses Schreibens traten bei uns Widersprüche auf, wie wir die genaue und richtige Wortwahl für unser Vorhaben treffen sollten. Denn wie auf unserem Jahresprogramm der Vöslauer Naturfreunde für das Jahr 2009 angeführt: „Grenzwanderung Bad Vöslau“ 1., 2. und 3. Etappe, könnte man verschiedenster Auffassungen und Meinungen sein, was sich hinter dieser Ankündigung verbirgt. Damit könnte schon eine „Grenzverletzung“ gegenüber dem/der einen oder anderen Bewohner(In) entstanden sein, die innerhalb dieses Grenz-Bereiches wohnen.
Daher werden wir schon vor Beginn der drei geplanten Termine unseres Vorhabens versuchen, alle „Kleinigkeiten und Hindernisse“ von jenen Wegen zu entfernen, die wir gemeinsam erwandern und erkunden wollen. Damit wäre auszuschließen, dass während unserer Grenzbegehung eine „Grenzverletzung“ durch einen unbedachten „Grenzübertritt“ möglich wird.
Fakten und Zahlen:
Die Katastralgemeinde BAD VÖSLAU, ist seit 1954 auch Stadtgemeinde. Durch eine am 1. Jänner 1972 vom Land Niederösterreich erfolgte Verordnung: Zusammenlegung der Katastralgemeinden GROßAU und GAINFARN mit BAD VÖSLAU zu einer Großgemeinde, sind nun alle „BadGroßGainfarner“ quasi auch Städter geworden.
Bedingt durch den erfolgten Zusammenschluss dieser drei genannten Ortsteile zur neuen Großgemeinde BAD VÖSLAU, ist damals auch der Einwohnerstand auf über mehr als 10.000 Personen „angewachsen“. Der Hauptgrund dieser „verordneten Vereinigung“ auf über 10.000 Einwohner war eigentlich: dass damit auch wesentlich bessere, finanziell stärkere und überlebensfähigere Kommunalstrukturen geschaffen werden sollten. Seit dieser Zeit haben unsere drei Katastralgemeinden zusammen eine Grundfläche von 38,74 km2 mit einem Grenzumfang von etwa 40 km Länge.
Idee, Vorhaben, Grenzen, Weg und Ziel:
Da seit der „Entstehung dieser neuen Grenze“ noch nie eine offizielle Begehung stattfand, hatten wir - die Vöslauer Naturfreunde - die Idee, eine Wanderung anderer Art - etwa entlang dem Verlauf unserer Gemeindegrenze zu organisieren. Auf Grund der Länge und dem Verlauf der Grenzlinie haben wir unser Vorhaben: das Erwandern und Erkunden „der 40 km“ langen Grenze unserer Großgemeinde, in drei Etappen geplant. Daher haben wir auch die jeweiligen Termine unseres Vorhabens witterungsbedingt und dem Wegeverlauf entsprechend, in die jeweiligen Jahreszeiten – wie Frühjahr, Sommer und Herbst, eingeplant.
Somit wollen wir mit euch möglichen „GrenzgängerInnen“ - wie von uns Naturfreunden erwartet - naturfreundlich gestaltet, als „Grenzwanderung“ angekündigt, möglichst genau entlang der „Grenzlinie“ und ohne jeglichem Stress und unnötiger Hast, dieses Vorhaben gemeinsam erleben.
Dabei werden wir im Laufe der gegen den Urzeigersinn geplanten Wanderrichtung Teile von Grenzen unserer Nachbargemeinden - im Norden: SOOß und ALLAND, im Westen: WEIßENBACH/Triesting und POTTENSTEIN, im Süden: BERNDORF und LEOBERSDORF, sowie KOTTINGBRUNN und BADEN im Osten, berühren, bzw. begehen.
Zeitreise, philosophische Wanderung:
Da wir bei diesem Vorhaben kulturhistorischen und zeitgeschichtlichen Boden, er- und durchwandern und auch betreten werden, möchten wir euch noch als zusätzliche Wegbegleitung, einige Hinweise mit auf die Grenzwanderung geben:
Richte großes Augenmerk auf die Umgebung, die Formen der Landschaft, Fluren und Felder, Bewaldung, Pflanzen, Tiere, Gräben, Bäche, Gewässer und Gerinne, die Wohnbauten, Straßen und Wege, Bahn-, Straßen- und Flugverkehr. Suche Aussichtspunkte, an denen du auch andere Horizonte erblicken kannst. Suche Markierungen, Marterln und Votivtafeln, Hinweisschilder und Steine. Denke aber auch an jene BewohnerInnen, Freunde und Bekannte, die außerhalb der Grenze unseres Gemeindegebietes wohnen und arbeiten.
Weiters achte besonders auf jene bestimmte Formen von Steinen, die wir entlang der geplanten Wegstrecke als „die unseren Grenzsteine“ vorfinden werden. Denn genau diese „Steine“ werden uns während unserer ganzen Wanderung die Richtung vorgeben und auch Wegweiser sein!
Treuhänder des Stein gewordenen Vermächtnisses:
Es ist ein interessantes Phänomen zu beobachten: Gemeinden die mit ihrer historischen Bausubstanz respektvoll umgehen, haben die Nase vorn. Vielleicht kommt das daher, dass dieser Respekt eine gute Grundlage für die richtigen Entscheidungen zur Entwicklung einer Gemeinde ist.
Wir sollten nicht vergessen: Wir sind lediglich die Treuhänder des Stein gewordenen kulturellen Vermächtnisses unserer Vorfahren. Dieses zu bewahren und harmonisch mit der Architektursprache von heute zu verbinden, ist unsere Aufgabe.
Grenzsteine, Grenzpunkte, Zitate:
Betrachte die Form, das Gewicht, die darauf vorhandenen Markierungen und Schriftzeichen der unzähligen Grenzsteine an denen wir vorbeiwandern und die auch in verschiedenen Abständen in der Erde versenkt vorhanden sein werden. Auch hinterfrage einmal den einen oder anderen Grenzstein: warum stehst du gerade hier? Weshalb hast du diese Form? Warum und für wen bist du da an diesem Ort eingegraben worden? Wieso hast du diese Schriftzeichen, Buchstaben, auch Ziffern und Zahlen eingraviert bekommen? Wer hat dir Stein deine Form gegeben und gerade solche Zeichen eingemeißelt? Welchen Sinn und Zweck - auch Hintergrund haben heute noch die eingegrabenen Steine, die teilweise schon einige Jahrhunderte alt und einige sogar mehr als 100 kg schwer sind?
Vielleicht nehmt ihr euch beim „Erwandern und Erkunden“ unserer Grenze auch ein wenig Zeit, um über den einen oder anderen angeführten Punkt nachzudenken.
Zum Beispiel:
Das Wort Grenze: Widerspruch und Spannung zugleich
* Wozu braucht man Grenzen? ...
* Grenzen errichtet? ...
* Grenzsteine gesetzt? ...
* Grenzen vermisst? ...
* Grenzen befestigt? ...
* Grenzen verändert? ...
* Grenze überschreiten? ...
* Grenze sichern? ...
* Grenzen wieder geöffnet? ...
* Grenzsteine entfernt? …
* Keine Grundstücksgrenze…?
* Keine Gemeindegrenze…?
* Keine Landesgrenze …?
* Keine Staatsgrenze …?
* Keine EU Außengrenze …?
* Keine Schengengrenze…?
* Es gibt keine Grenzen mehr...?
* Ohne Grenzen auch frei sein…?
* Keine Grenzen was dann ...?
* Grenzen wieder gesperrt…?
Früher:
* Die schwerste Strafe steht auf dem Versetzen von Grenzsteinen: wer einen ausgräbt, soll mit dem Kopf in die Grube gesteckt und diese mit Erde ausgefüllt bzw. bis an den Gürtel eingegraben werden. Auszug: Sooßer Weistümer
Aus dem 19. Jahrhundert:
* Ihr führt Krieg? Ihr fürchtet euch vor einem Nachbarn? So nehmt doch die Grenzsteine weg – so habt ihr keinen Nachbarn mehr. Aber ihr wollt den Krieg und deshalb erst setzet ihr die Grenzsteine. F. Nietzsche
Aktuell:
* „Die Exzesse der Märkte, die die Krise ausgelöst haben, zwingen uns dazu, Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun würden“.
A. Merkel, deutsche Kanzlerin
Falls du gleich nach dem lesen des einen oder anderen Punktes zur Grenze weder einen Zugang, noch eine befriedigende Antwort gefunden hast, dann wäre das vielleicht der richtige Grund, bei der „Grenzwanderung“ unbedingt mitzugehen und mitzumachen.
Denn um auch „nur“ einen kleinen Teil der gesamten Länge unserer Gemeindegrenze zu erwandern, musst du dir Zeit nehmen. Denn während „deiner Zeit an der Grenze“, wirst du auch die eine oder andere Antwort auf so manches Fragezeichen bekommen.
Daher: Nimm dir bei dieser Wanderung auch die notwenige Zeit deinen „eigenen Grenzpunkt“ zu suchen, um über diesen meditieren und philosophieren zu können.
Schenke dir bei dieser Wanderung auch die notwendige Zeit, „aus Dir zu gehen“, um zu einem Gespräch mit möglichst vielen TeilnehmerInnen „entlang der gemeinsamen Grenzen“ zu kommen. Vielleicht musst Du dir auch noch ein anderes Mal Zeit nehmen, um zu einer befriedigenden Antwort des einen oder anderen noch offenen „Grenzpunktes“ zu kommen.
So hoffen wir, auch wenn du nur einen kleinen Abschnitt unseres gemeinsamen Weges mitgegangen bist, dass du dann auch zu deiner „ganz persönlichen Grenze“ einen noch besseren Zugang haben wirst. Trotzdem: Grenzen waren, sind und werden immer Spannungs- und Widerspruchszonen bleiben, solange es eben „noch Grenzen“ gibt.
So mögest du nach Abschluss „deiner ganz persönlichen Grenzwanderung“ mit reicher Erfahrung und neuer Erkenntnis zurück zu deinem Ausgangspunkt kommen, damit du in Zukunft „als neuer Grenzgänger“ noch viele neue Grenzen richtig betreten kannst, ohne diese zu verletzen.
Vergiss aber nicht: Wer sich am Ziel glaubt, geht zurück … Lao-Thse, Philosoph
Das wünschen wir dir die:
Naturfreunde von Bad Vöslau
Bad Vöslau, im März 2009
Hinweise, Ausrüstung, Vorbereitung, Routen- und Ablaufpläne
Wenn du für diese Wanderung dem Grenzwanderungs-Abschnitt entsprechend vorbereitet bist, gute Laune mitbringst, richtig bekleidet, mit festem Schuhwerk ausgerüstet bist, das schmackhafte Jausenbrot, Wurst/Leberkäsesemmerl und auch Getränke im Wanderrucksack verstaut hast, dann ist das die beste Voraussetzung für ein gutes Gelingen!
Somit kann dann „deine meditative und philosophische Grenzwanderung“ die von den Naturfreunden Bad Vöslau veranstaltet werden, beginnen.
Weitere Informationen, Links etc. zu obigem Thema: Grenze, Grenzsteine, Gemeinde, usw. kannst du im „GOOGLE“ Großgemeinde Bad Vöslau, in „Wikipedia“ Bad Vöslau, unter --- www.badvoeslau.at ---, sowie auch in der Bürgerinfostelle im Gemeindeamt von Bad Vöslau, in Erfahrung bringen.
17. Mai 2009 Grenzwanderung: Teil 1
Treffpunkt:
Waldandacht (300m)….. 7 Uhr 45
Abmarsch:
08:00 Uhr
Route:
Richtung SOOß bis zum Grenzstein Nr.106, nun folgen wir den langen Graben bis Grenzstein Nr.87 und weiter zum Manhartsberg (650m) Grenzstein 56 (BF115).Vom Grenzstein Nr.87 verläuft die tatsächliche Grenze durch steiles Gelände zum Grenzstein Nr.81, welcher sich bereits am Weißen Weg befindet und weiter zum Manhartsberg. Dieser Grenzabschnitt ist nur für trittsichere Wanderer geeignet. (Daher Aufteilung in 2 Gruppen notwendig). Ab hier wandern wir wieder gemeinsam auf den Sooßer Lindkogel (713m).
Pause:
ca. 30 Minuten
Nun folgen wir den Weg Nr. 448 über den Brennersteig auf das Schutzhaus Eisernes Tor, auf 847 m Seehöhe, somit auch der höchste Grenzpunkt unserer Wanderung - wo wir um ca. 12:30 Uhr eintreffen werden.
Mittagsessen:
Abstieg um ca. 14:00 Uhr zuerst Südostwerts - später in südlicher Richtung – zum Grenzgraben und diesem bis zum Endpunkt (Schranken) folgend – der Landesstraße GROßAU – SCHWARZENSEE – Ende der zweiten Etappe.
Ankunft ca.:
15:30 Uhr.
Heimfahrt:
Wird mit Taxis organisiert.
Abschließend gemütlicher Ausklang bei einem Heurigen in BAD VÖSLAU.
9. August 2009 Grenzwanderung: Teil 2
| Treffpunkt: | 07:45 Uhr ……Grenzstein Nr.186 Himmel (520m) - Links nach der Abzweigung Richtung ROHRBACH auf der Landesstraße nach SCHWARZENSEE. |
| Abmarsch: | 08:00 Uhr |
| Route: | Über den Gibisbühel zum Roten Kreuz (458m), dann weiter Richtung Herrgottskreuz (435m) |
| Pause: | ca. 30 Minuten Unser Weg führt dann zur Bärengedenksäule (Niederschlatten) und schließlich entlang des Buchbaches und den Vogelsang zur St. VEITER Höhe. |
| Ankunft ca.: | 12:30 Uhr Mittagessen bei einem Heurigen in GROßAU - gemütlicher Ausklang. |
| Treffpunkt: | 07:45 Uhr…… St. VEITER Höhe |
| Abmarsch: | 08:00 Uhr |
| Route: | Entlang des Veitinger Gebirges - Lindenberg zur Hubertuskapelle (302m), weiter in Richtung Kreisverkehr Anschlussstelle KOTTINGBRUNN und parallel zur Autobahn und Südbahn bis zum Fußgängerbahnübergang in der Tattendorferstraße auf die Feldgasse. Von hier folgen wir den Viertelgrabenbach unter der Autobahn durch bis zum Weingut Hubertuskeller der Fam. Reischer in der Flugfeldstraße. Hier werden wir auch Mittagsessen. |
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Der Weg führt uns durch einen Teil des Truppenübungsgebietes beim Flugfeld KOTTINGBRUNN vorbeit, später unter der Autobahn hindurch und wieder über den Wr. Neustädter Kanal entlang der Teichwiesen in Richtung Südbahnunterführung und schließlich beim Merkurmarkt vorbei in Richtung Jakobusheim. Jetzt wandern wir entlang der SOOßER Grenze durch Weingärten und schlussendlich zurück zum Ausgangspunkt unserer Grenzwanderung, der Waldandacht. |
Bitte um besonderes Verständnis: Da man speziell bei solchen Vorhaben mit nicht einplanbaren Faktoren rechnen muss, können organisatorische Änderungen und Maßnahmen erst kurzfristig vor Beginn, bzw. während eines Vorhabens getroffen werden.
Versicherungsschutz: Unsere Wanderungen erfolgen immer auf eigene Gefahr! Ausnahmen: Nur eine Mitgliedschaft bei uns Naturfreunde, eines anderen alpinen Vereines, sowie spezielle Versicherungen, gewähren einen umfassenden Versicherungsschutz!
Das Organisationsteam